




Is there water everywhere?
Berlin-Brandenburg ist im Vergleich zu anderen Regionen reich an Oberflächengewässern – und gleichzeitig eine der wasser- und niederschlagsärmsten Regionen Deutschlands.
Die vielen Gewässer, wie zum Beispiel der Müggelsee, die Spree und die Dahme führen nur sehr wenig Wasser. Die Grundwasserspiegel sinken seit 30 Jahren kontinuierlich. Dies wirkt sich auch auf die Wasserpegel der Oberflächengewässer aus.
Eine Ursache für die zunehmende Wasserknappheit sind die Auswirkungen des Klimawandels. Der stetige Temperaturanstieg führt zur schnelleren Verdunstung von Wasseroberflächen während Starkregenereignisse und Dürreperioden die Wasseraufnahmefähigkeit der Böden verschlechtern. Dies führt zu einer geringeren Grundwasserneubildung und beeinflusst die Qualität der Ökosysteme negativ.
Demgegenüber steht ein steigender Wasserbedarf in der Region: der kontinuierliche Bevölkerungsanstieg im Ballungsraum Berlin, die landwirtschaftliche Flächennutzung in Brandenburg und die bevorstehende Flutung der ehemaligen Bergbaugebiete erzeugen einen hohen Nutzungsdruck für das Spreegebiet. Das industrielle Großprojekt der neuen Tesla Fabrik in Grünheide ist nun hinzugekommen.
Tesla wurde die Wasserentnahme von 1,4 Kubikmeter pro Jahr vertraglich zugesichert – dies entspricht dem Wasserbedarf einer Stadt mit 31.000 Einwohner:innen. Bisher wurde der Bedarf nicht ausgeschöpft. Ein Wasserkreislaufsystem wurde auf dem Gelände etabliert und eine Regenwasserversickerung gewährleistet. Die Fabrik wurde zu Teilen auf einem Trinkwasserschutzgebiet errichtet. Durch Lackierunfälle und Brände auf dem Gelände kam es bereits zur Gefährdung der Qualität des Grundwassers. In der Produktion von Elektro-Autos werden gefährliche Schadstoffe verwendet, deren Rückstände in das Abwasser geleitet werden. Diese können auch über hohe Reinigungsstufen in Kläranlagen nicht vollständig eliminiert werden. Die „gereinigten“ Abwässer aus den regionalen Kläranlagen werden anteilig in die umliegenden Gewässer Berlins eingeleitet, aus deren Uferfiltrat auch das Berliner Trinkwasser gewonnen wird.
Das heißt, dass wir in Zukunft auch die Schadstoffe in unserem Trinkwasser nachweisen können werden.
Rund um den Prozess der Etablierung und Bebauung der Fabrik sammeln sich viele widersprüchliche Ansichten und Interessen von Wissenschaftler:innen, Tesla-Mitarbeiter:innen, Landespolitiker:innen, Gemeindevertreter:innen und Anwohner:innen, die sich für oder gegen den Bau der Fabrik aussprechen. In dieser Ausstellung hören Sie Auszüge von Diskussionen und Gesprächen mit Umweltaktivistinnen. Die Aufnahmen waren Teil einer Forschung von Paulina Schute an der Humboldt Universität zu Berlin zur Ansiedlung der Tesla-Fabrik in Grünheide.
Quelle: Goldhammer, Tobias; Höhne, Anja; Kleine, Lukas; u. a. (2021): Die Region Berlin- Brandenburg und die Tesla-Gigafactory. Wissenschaftliche Einschätzung zur Ansiedlung von industriellen Großprojekten in wasserarmen Gebieten, Berlin: IGB Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei.
